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Letzte Entscheidungen: die Staffeln

Es hat also wirklich bis zum letzten Tag dieser EM gedauert, bis auch in die „Sportstadt“ Halle eine Medaille mitgebracht wird. Natürlich – rein organisatorisch-administrativ zählen die Erfolge von Christel Happ ja für die Stadt an der Saale, startet Christel doch für Turbine. Zu Hause ist sie allerdings in Gernrode … da muss man also schon ganz schön alle Augen zudrücken um das als Erfolg für Halle zu verbuchen.

Wie auch immer: seit heute 10:43 Uhr ist es nicht mehr nötig, sich mit „fremden Federn“ zu schmücken. Die deutsche 4 × 100 m-Staffel M60 läuft in 51,09 s zu Gold und schlägt die starke britische Auswahl. An zweiter Position der ohnehin schon erfolgreichste Hallesche Starter dieser EM Manfred Koch – es war ein grandioses Rennen: der Wechsel von Burkhard Hillert auf Manfred traumhaft und bereits als erste, dann sprintet Manfred sogar noch gleichauf mit dem Briten Brian Williamson, der Wechsel auf Udo Lippoldis ein klein wenig wackelig, denn bei Udo gab es schon ein leichtes Krampfen im Oberschenkel, doch er kann den Vorsprung gut halten, wechselt sicher auf Winfried Heckner (der offensichtlich die Unsicherheit bemerkt haben muss und dann nicht 100% losschoss) und dann ist das deutsche Team nicht mehr zu schlagen. Jubel auf der Tribüne, noch mehr Jubel bei den vier Männern. Davon hatten sie vielleicht geträumt – erwartet haben sie es sicher nicht.

Etwa 10 min später ist auch Horst Beige an der Reihe. Er macht den Startläufer für das 4×100-M55-Team. Auch hier geht alles glatt – die Mannschaften aus Großbritannien und Frankreich sind allerdings nicht zu schlagen. Horst kehrt glücklich mit Bronze nach Hause.

Nachtrag 20:21 Uhr

19:16 Uhr war es dann so weit: das letzte Rennen dieser EM – 4×400 m M35 – mit Mirko Krohn als Startläufer. Er war aufgeregt, schon den ganzen Tag. Nervös. Sollte das wirklich eine Medaille werden?
JA – es wurde Bronze. Hinter der Mannschaft aus Großbritannien und Italien.
Und einer der überwältigendsten Momente hier in Nyíregyháza war die Siegerehrung: egal welche Hymne – irgendwie singen alle mit, es wird gefeiert Italien, Germany, Great Britain oder Russland … eine tolle Atmosphäre, ein wunderschöner Abschluss für diese Reise.

Gisela Seifert springt

Heute war also der Tag der 200 m Finale und außerdem der Tag, der letzten Einzelwettbewerbe, zum Beispiel auch Dreisprung W50. Gisela Seifert, die seit einiger Zeit mit einer Entzündung in der Hüfte herumlaborierte, hatte auf sämtliche Wettbewerbe in Nyíregyháza verzichtet und sich entschlossen bei diesem Wettkampf auf „Hop oder Top“ zu setzen. Nicht ganz risikolos, das war ihr auch bewusst. So sagte sie vor dem Wettkampf: „Erwartet aber bitte nicht zu viel.“ – Von Erwartungen war ja gar nicht zu sprechen. Im Grunde haben wir alle nur gehofft, dass nichts Schlimmeres passiert.

Mit ihrem ersten Sprung landete Gisela dann auch bei ca. 8,86 m und auf dem zweiten Rang. Danach noch einmal 8,82 m und dann setzte sie sicherheitshalber doch aus. So wurde sie schließlich auf Rang 4 verdrängt. Europameisterin wurde allerdings Sigrid Böse mit 10,03 m. Beeindruckend!

Nach dem Wettkampf

Gisela Seifert und Sigird Böse nach dem Wettbewerb

Dann stand noch die Staffelbesprechung auf dem Plan. Für viele ist die Staffel ja nicht nur der Höhepunkt der Wettbewerbe sondern auch nochmal so etwas wie ein Strohhalm, um eine Medaille zu ergattern. So sind also die Staffelplätze immer sehr begehrt und mitunter geht es bei der Verteilung dann recht heiß zu. Allerdings kam Jörg Reckemeier gut vorbereitet und recht gelassen in die Besprechung, betonte nochmals, dass es auch darum gehe kollegial und fair miteinander umzugehen und zu sehen, dass alle geeigneten Kandidaten einen Wettbewerb laufen könnten. Und so wurde dann entschieden, dass Mirko Krohn in der 4×400 m der M35 laufen kann. Anspruch hätte er auch auf einen Platz in der 4×100 der gleichen Altersklasse gehabt, aber … Kollegialität und Fairness … er überließ diesen Platz dem zeitgleichen Heiko Schurz aus Pirna. Da gibt es vermutlich irgendwann demnächst mal ein Freibier oder so …
Manfred Koch – natürlich – läuft an zweiter Position der 4 × 100 m M60 und Horst Beige füllt die 4×100 in der M55 auf.

So sieht es also aus. Das abkühlende Gewitter heute Abend ist bislang ausgeblieben. Dafür ist für morgen heftiger Regen angesagt. – Aber die Bedingungen sind für alle gleich … und wir kennen ja den Spruch mit den Schönwetterathleten.

Staffelbesprechung

Beim Abendessen haben wir dann natürlich viel spekuliert, wer wie abschneiden wird. Dann kam der frisch gebackene Europameister über 800 m M35 und Staffelpartner von Mirko Nils Milde noch an den Tisch und das Plaudern ging weiter. Und schließlich haben wir Darren Scott am Nachbartisch noch zu seinem beeindruckenden 200 m-Lauf (21,64 s; M40) gratuliert.

Das war der Tag heute. Und morgen gehts dann schon zu Ende. Irgendwie schade.

Heats 200 m M60

Donnerstag – heute waren unsere wettkampferfahrenen Mentoren Manfred Koch und Horst Beige an der Reihe: 200 m Vorläufe. Es ging schon früh an den Start – heiß war es trotzdem schon. Drei Vorläufe, das hieß: direkte Qualifikation für das Finale am Freitag – die zwei Ersten jeden Laufes plus zwei Zeitschnellste.

Zunächst musste Manfred Koch ran – Lauf 2 Bahn 4, direkt neben Vladimir Vybostok und Winfried Heckner. Bereits im Vorfeld meinte Manfred, dass 200 m nicht seine Strecke sei – es gehe vor allem um einen guten Lauf und um eine Orientierung, welche Zeit noch so möglich sei.
Im Lauf selber dann hielt er 100 m lang sehr gut mit den anderen mit, zum Ende hin nahm er dann doch an Tempo raus, riskierte nichts … immerhin steht da am Samstag noch eine 4×100 m-Staffel an, für die schon fleißig trainiert wurde. So rollte er auf Platz 5 seines Laufes über die Ziellinie.

Für den dritten Lauf war Horst Beige auf Bahn 5 gelistet. Schon in den letzten Tagen kam Horst mit der hier herrschenden Hitze von konstant über 30° und nachts nur wenig drunter nicht so gut zurecht. Seine Form war und ist also nicht die allerbeste – seine Laune dagegen schon. Nachdem die Läufer dann vor dem Start bereits gute 10 min in der prallen Sonne verbracht hatten, war es dann mit der Spritzigkeit natürlich nicht mehr gar so weit her. Auch Horst beendete den Lauf als Fünfter und wir beide (Mirko und Udo) lästerten schon, dass sich die beiden vermutlich verabredet hatten.

Der Verdacht wurde bestätigt, als ca. 30 min nach den Läufen die Zeiten im lokalen System erschienen: beide waren in 28,91 s die Strecke gelaufen – so etwas kann man wohl nur Kollegialität nennen. In der Gesamtauswertung stehen sie damit auf rang 13.

Wir blieben dann noch eine ganze Weile im Stadion um die Semifinals der anderen Altersklassen anzusehen. In der M40 beeindruckte Darren Scott einmal mehr mit 21,74 s – und dann … man glaubt es kaum: Pavel Liscak, der Mirko um wenige Tausendstel aus dem Semifinale gedrängt hatte, trat nicht an. Die Enttäuschung und der Ärger waren groß.

Und damit gehen diese Europameisterschaften schon so langsam ihrem Ende entgegen. Morgen gibt es dann noch die Finals über 200 m, Gisela Seifert, die wir heute trafen, wird im Dreisprung antreten, und natürlich wird es wohl bei der Staffelbesetzung noch mal ordentlich hin und her gehen: alle möglichen Konstellationen wurden bereits durchgespielt, der eine oder andere hat schon Interesse angekündigt, es wird geschachert und gepokert … spannend, was da morgen ab 13 Uhr rauskommt. Zumindest Mirko ist alles andere als chancenlos. Wir werden sehen.

Mittwoch: Speerwurf M65+, Stabhochsprung W80 und Vorläufe 200 m M40

Oh Mann, das ist ein Hoch und Runter der Gefühle. Nach einem tollen Tag gestern in Nyíregyháza – davon ungefähr fünf Stunden in einem kaveház und später dann im Stadion zu den 400 m Finals (sehr sehr aufregend) – waren wir (Mirko + Udo) heute morgen in ordentlicher Angriffslaune: 200 m Vorläufe. Nach der Quali in den Wettbewerben zuvor und rein nach den gemeldeten Zeiten in der Liste wär es durchaus möglich auch hier weiter zu kommen. Aber natürlich: da stehen ziemliche Cracks in der Liste. Es wird nicht leicht – alles geben und sämtliche Säue rauslassen die da noch irgendwo im Stall sind.

Dann gehts an den Start: Udo Israel im Lauf 2 zusammen mit Darren Scott (Europameister über 100 m), Bernd Lachmann (bester Deutscher über 400 m mit Bronze) und Gerard Hensey (Irland, immerhin 9. über 100 m). Also treten treten treten – das klappt auch ganz gut bis auf einen etwas verpanschten Start, doch zum Ausgang der Kurve schiebt sich noch der Slowake Pavel Liscak heran – kennen wir von den 400, allerdings unter ferner liefen. Den hatte ich nicht wirklich auf dem Plan. Im direkten Zweikampf schön im langen Schritt geblieben, am Ende doch 1 m unterlegen. Die Zeit des Siegers 22,22 – hmm, das könnte eine gute Zeit werden, aber ob das wirklich für’s Semifinale reicht? Abwarten.

Im nächsten Lauf ist Mirko Krohn am Start. Seine Konkurrenten Mark Dunwell (GB), Paolo Chiapperini (ITA) und Meinert Möller – Platz 4 ist gut möglich, da kommt es also auch auf eine gute Zeit an. Mirko geht sehr gut an, liegt nach 100 m sogar gleich auf mit Meinert Möller und kann diese Konstellation gut halten, dann auf den letzten 40/50 m legt Meinert aber nochmal zu und Mirko verliert doch ein wenig an Lockerheit: Platz 4 des Laufes. Der erste durch in 23,63 s – auch das könnte für das Semifinale reichen.

Die Auswertung dauert dieses Mal etwas länger. Erstmal auslaufen und dann zurück an die Stationen. Dort herrscht natürlich immer großer Andrang, alle wollen wissen wie sie abgeschnitten haben. Dann endlich ist eine Station frei – und die Resultate online. Mirko 24,51 s – zweitbeste jemals gelaufene 200 m-Zeit im Stadion – aber leider nicht für’s Semifinale qualifiziert. Und zwar ganz knapp, denn der letzte zeitqualifizierte heißt Pavel Liscak und hat ebenfalls 24,51 s stehen. Die Qualifikation erfolgte nach Auswertung der Tausendstel Sekunden. Bei Mirko ist die Enttäuschung oder der Ärger natürlich enorm groß.
Bei Udo gibt es dagegen erstmal einen Riesenschock: es wird eine Zeit von 28 s und irgendwas gelistet, zudem als Letzter des Laufes. Das kann natürlich nicht sein, Fehler in der Auswertung. Sofort zum deutschen Betreuerteam und Protest eingelegt (zum Glück hat Horst den Lauf gefilmt …) – der Fehler ist natürlich sofort klar und die Ergebnisliste wird korrigiert. Endgültige Zeit: 24:74 s – auch dies zweitbeste jemals gelaufene Zeit.

Also im Grunde alles perfekt: schöne Läufe, schöne Zeiten … ein wenig bleibt eine Trauer, denn durch die Quali für die Semifinals über 100 und 400 hatten wir jetzt irgendwie innerlich doch schon damit gerechnet, auch hier weiter zu kommen. Aber so ist das im Sport … – (nach dem Mittag sieht dann die Welt auch schon wieder besser aus, und morgen sind ja noch Manfred und Horst an der Reihe). Damit ist die Em für uns fast schon zu Ende. Allerdings: am Freitag werden noch die Staffelbesetzungen bekannt gegeben und Mirko hat ganz gute Chancen sowohl bei der 4×100 als auch bei der 4×440 Staffel – eventuell auch durch Runterstarten in die M35. Es bleibt also noch ein wenig Spannung.

Zwei Medaillen im Speerwurf gehen in die Altmark

Ebenfalls am Vormittag fanden die Speerwurfwettbewerbe der Männer über 65 statt. 8 Uhr ging es für die M75 los. Souverän setzte sich hier Lothar Huchthausen von der LG Altmark in Szene. Bereits mit dem ersten Wurf in Führung gegangen, steigerte er sich mit dem vierten Wurf auf 40,25 m und schließlich mit dem sechsten und letzten Wurf auf 40,83 m – das sind am Ende zwei Meter mehr, als der zweitplatzierte Michal Drohomirecki aus Polen.
Zwei Stunden später beginnt der Wettbewerb der Altersklasse M65. Ewald Jordan (ebenfalls aus der Altmark) kann sich von 41,61 im ersten Versuch auf 43,53 m mit dem sechsten Wurf steigern und erringt so die Bronzemedaille. Beide hatten schon im vergangenen Jahr zur Hallen- und Winterwurf-EM in Ancona Medaillen gewonnen, damals in genau umgekehrter Konstellation.

Herzlichen Glückwunsch!

Christel Happ mal wieder in Weltrekordsphären

Auch Christel Happ hatte heute vormittag noch eine Disziplin auf dem Programm: Stabhochsprung. Als einzige Teilnehmerin in ihrer Altersklasse war ihr der Titel sozusagen schon ziemlich sicher, allein das Ergebnis stand natürlich nicht fest. Als Einstiegshöhe war 1,20 m festgelegt – Christel bewältigte diese im ersten Versuch. Die nächste Höhe 1,30 m ließ sie aus und versuchte sich gleich an 1,40 m, dem aktuellen Weltrekord, gesprungen von Johnnye Valien aus den USA im August 2005. Der erste Versuch geht daneben, im zweiten hat sie es gepackt und sich damit bereits in die Weltbestenlisten einmal mehr eingetragen. Natürlich versucht Christel danach auch die nächste Höhe: 1,50 m – immerhin hat sie diese vor einem Jahr noch genommen. Nach zwei Fehlversuchen gibt sie dann allerdings auf. Heute war nicht der Tag. – Und so ergibt sich auch hier wie im Hochprung die kuriose Situation, dass der Deutsche Rekord W80 besser ist als der Weltrekord W80 … da bleibt für Christel also noch etwas zu tun!

400 m

Vermutlich der härteste Tag bei dieser EM: Vor- und Zwischenläufe über 400 m an einem Tag. – Aber natürlich ist es für alle Beteiligten gleich schwer.

Zuerst steht Horst Beige am Start. Es ist 8 Uhr – angenehm lau, etwas windig. Horst ist gelistet für Lauf 2 Bahn 2. Startschuss – ganz innen auf der Bahn ist es natürlich schwer mitzuhalten und die letzten 100 m sind auch nicht einfach: Fünfter des Laufs in 66,55 s – immerhin das beste Ergebnis in dieser Saison. Gesamtplatz 13 von 22 Startern.

Zur gleichen Zeit absolviert Christel Happ den Weitsprungwettbewerb. Allerdings ist sie mit den Bedingungen nicht zufrieden, kommt nicht in den Wettkampf und endet mit 2,82 m, gesprungen gleich im ersten Versuch, als Zweite hinter Rosa Pedersen aus Dänemark.

10:05 Uhr: Die Vorläufe 400 m der M40 stehen auf dem Programm. Im Lauf 2 Mirko Krohn – er geht sehr forsch an, kann das Tempo gut halten und kommt mit persönlicher Bestzeit von 54,56 s als Vierter ins Ziel. Das sollte für die Qualifikation zum Semifinale reichen. Im nächsten Lauf geht Udo Israel an den Start: etwas verzagter Beginn, locker durchgelaufen – Platz 5 des Laufes in 55,45 s, nicht ganz die gewünschte Zeit, dafür war es dann doch zu vorsichtig. Trotzdem reicht auch diese Zeit für das Semifinale.

Damit steht der Tag erstmal unter einem glücklichen Stern. Regeneration und 19:30 Uhr dann die Semifinals. Mirko und Udo in einem Lauf, Mirko Bahn 1, Udo Bahn 8 – dieses mal geht Udo sehr forsch an, kann sich auch 250 m lang sehr gut behaupten, aber dann kommt der totale Einbruch. Mirko geht es ähnlich, nur dass er auf der Innenbahn von Beginn an hinterher läuft. Im Ziel sind es 55,78 s für Mirko; 56,01 s für Udo – irgendwie frustrierende Zeiten, aber zwei 400 m Läufe an einem Tag sind eben doch nicht einfach so zu stemmen.

Zum Trost gibt es wenigstens Erinnerungsfotos mit Bernd Lachmann und Meinert Möller, die beide unglaublich sympathische Kollegen sind.