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Ella Tendler mit neuem Landesrekord

Am Samstag, dem 11. Juni 2011, konnte Ella Tendler vom LAV Halensia beim Pfingstsportfest in Leuna einen neuen Landesrekord über die 3000 m in der Altersklasse W50 aufstellen. Ella lief die Distanz in 11:48,27 min und unterbot damit die Bestmarke von Gisela Seifert aus dem vergangenen April um ganze 20 s. Somit steht Ella nun als Schnellste Sachsen-Anhaltinerin über 3000 m sowohl in der W45 wie auch in der W50 in der Bestenliste.

Herzlichen Glückwunsch!!!

Nachtrag:
Bereits eine Woche zuvor hatte Ella beim 28. Läuferzehnkampf in Mühlhausen nicht nur mit einem hervorragenden dritten Platz abgeschnitten, sondern dort auch einen neuen Landesrekord über 10.000 m erreicht. Auch hier entthronte sie mit 43:51,55 min Gisela Seifert.
Einen sehr schönen und stimmungsvollen Bericht von Ella selber gibt es auf der Seite des LAV Halensia.
Für die Statistiker ist hier die Ergebnistabelle einsehbar.

Abschied mit Gold

Gisela Seifert – eine der erfolgreichsten Seniorensportlerinnen aus Sachsen-Anhalt in den vergangenen 10 Jahren – beendet ihre Aktivenlaufbahn.

Gisela Seifert

Die Senioren-Leichtathletik hat nicht unbedingt den besten Ruf. Kaum wahrgenommen oder gar belächelt werden die Wettbewerbe gern kritisiert und erzielte Leistungen in Frage gestellt. Und doch gibt es international eine wachsende Zahl von Begeisterten, die auch nach ihrem 35. Geburtstag noch Spaß an Lauf, Sprung und Wurf haben und sich regelmäßig zum Austausch und Kräftemessen treffen. Die seit 1975 ausgetragenen internationalen Meisterschaften sind dabei für viele ein wichtiger Höhepunkt. Vom 16. bis 20. März lud die belgische Stadt Gent zu den 8. Hallen-Europameisterschaft der Senioren und Seniorinnen ein. Dem Ruf folgten 3300 WettkämpferInnen aus ganz Europa, darunter waren drei aus der Sportstadt Halle.
„Nur drei“, sollte angefügt werden. Und „aus Halle“ ist auch nicht ganz richtig. Gisela Seifert zum Beispiel – eine der drei – lebt in Thale. Sie startet lediglich seit 2005 für den hiesigen USV, weil dieser eine kleine Gruppe von aktiven Seniorinnen beherbergt, welche sie aus ihrer Schul- und Studienzeit kennt und mit denen sie als Mannschaft bei nationalen Meisterschaften antreten wollte. Als Vereinsteam holte die Gruppe dann auch in den zurückliegenden sechs Jahren in unterschiedlichen Konstellationen dreimal den Titel der DAMM (Deutsche Altersklassen Mannschafts Meisterschaften), sie wurde dreimal in Folge Sieger in der Mannschaftswertung der Deutschen Mehrkampfmeisterschaften, 2006 und 2007 errangen sie den nationalen Meistertitel als 4 × 100 m-Staffel und zwischen 2007 und 2010 waren die Damen in der Halle über die 4 × 200 m-Distanz unschlagbar. Immer wieder verschoben sie den deutschen Rekord um ein paar Sekunden, zuletzt vor fast genau zwei Jahren in Magdeburg auf 2:02,23 min.
Auf diese Weise sorgte Gisela Seifert mit dafür, dass Halle im Seniorensport keine unbekannte Stadt ist. Auch als Einzelstarterin gehört sie zur deutschen Spitze. Dreimal konnte sie Senioren-Weltmeisterin im Dreisprung werden. Im Jahr 2006 gehörte sie bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Linz zum deutschen Staffelteam, welches einen W50-Weltrekord über 4 × 200 m lief. Als Fünfkämpferin wurde sie dreimal Senioren-Europameisterin. Die nationalen Titel, die sie in den letzten zehn Jahren erkämpfte, sind kaum zählbar.

Nun hat Gisela Seifert ihren Abschied vom aktiven Sport erklärt. Die Europameisterschaften in Gent waren ihr letzter Auftritt. Fünf Disziplinen an fünf Tagen standen auf ihrem Programm, von jeder einzelnen wollte sie noch einmal Abschied nehmen, mit vier Medaillen konnte sie nach Hause fahren. Zunächst startete sie über 200 m – nicht ihre Lieblingsdisziplin, aber um für die Staffel benannt zu werden, ist es notwendig, die Disziplin zu bestreiten. Sie qualifizierte sich – von ihr selbst nicht erwartet – bis ins Finale und wurde dort Sechste. Ihre erste Medaille gewann sie mit Silber im Dreisprung. Es folgte ein sechster Platz im Hochsprung, über den sie sich ein klein wenig ärgerte. Hätte sie ihre Leistung von der wenige Wochen zurückliegenden Deutschen Meisterschaft wiederholen können, wäre auch dies ein Medaillenplatz gewesen. Über 400 m konnte sie danach allerdings noch einmal Bronze erringen und am letzten Tag der Meisterschaften gelang ihr Gleiches im Weitsprung. Die Krönung und ein gelungener Abschluss ihrer Laufbahn erfolgte allerdings ganz am Ende mit der 4 × 200 m Staffel. In 2:01,26 min sprintete das deutsche W55-Team zu Gold.

Gisela Seifert wird künftig also nicht mehr durch die Welt reisen und die deutschen bzw. halleschen Farben vertreten. Es ist ein Abschied im Guten. Zwar hatten ihr einige Verletzungen in jüngster Zeit die Freude an der Leichtathletik etwas eingetrübt, aber die Bewegung, die Gemeinschaft, das Reisen hatten bisher diese Unannehmlichkeiten aufgewogen. Dieses positive Gefühl möchte sie in Erinnerung behalten. Die Seniorenleichtathletik in Halle wird es ohne sie wohl ein wenig schwerer haben wahrgenommen und akzeptiert zu werden.

Text und Foto: Udo Israel
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